SUBWAY April 2020

56 DIGITAL & HIGHTECH Mehr als nur ein Trend: Durch Digital Detox die Balance zwischen Online- und Offline-Welt finden. ICH BIN DANN MAL OFFLINE Grafik VectorMine - stock.adobe.com Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom plante jeder zehnte Deutsche 2020 einen Digital Detox. Auch Ruben Knoll, Stadt- und Regionalmanager beim ge- meinnützigen Verein Get Change Done e.V. in Braunschweig sowie Agenturchef einer Marketing- und Designfirma, entschloss sich, sich vom Social-Media-Frust und Messen- ger-Overload zu distanzieren: „Ich arbeite eine halbe Stelle an der Uni, spiele Fußball in Berlin, hatte WhatsApp- und Telegram-Grup- pen mit der Firma und besaß Facebook und Instagram – da rastet man früher oder später halt aus. Vor allem bei den etlichen Gruppen- chats. Kurz vor Weihnachten kam ich an einen Punkt, an dem ich beschloss, einfach damit aufzuhören.“ So sagte sich der Wahlberliner von einem auf den anderen Tag von der di- gitalen Dauerpräsenz los und hält auch noch gut vier Monate später an seinem Social- Media-Sabbatical fest: „Diesen Schritt zu gehen ist super spannend und man merkt, dass man trotzdem mit den Menschen um sich herum in Kontakt bleiben kann. Man ist nicht aus der Welt, nur weil man kein Soci- al Media mehr benutzt. Man kann anrufen, SMS schreiben oder sich treffen. Diese ganze W ir liken, scrollen, swipen, daddeln, tippen und für jede Situation gibt es die perfekte App – das Smart- phone hat unser Leben fest im Griff. Jedes Vi- brieren, Blinken und Klingeln erweckt in uns das Gefühl, dass jemand an uns denkt. Jede noch so stille Trockenperiode des Smartpho- nes hingegen suggeriert uns, unbeliebt zu sein. Anstatt ein Buch zu lesen, scrollen wir durch Instagram. Anstatt die Welt mit offe- nen Augen zu betrachten, erfahren wir ihre Schönheit durch den Blick auf das Display. Dabei wirken sich die kleinen multifunkti- onalen Helferlein auch auf unsere Gefühls- welt und Laune aus, denn während Likes und Kommentare zu einer Ausschüttung des Glückhormons Dopamin führen, erzeugen die ständige Abrufbereitschaft und der Par- tizipationsdruck psychische Probleme wie Depressionen und Stresssymptome. Doch auch die Physis leidet: Kurzsichtigkeit, Kopf- schmerzen, entzündete Bänder und Sehnen im Handgelenk und der sogenannte Smart- phone-Nacken können Negativfolgen eines übermäßigen Online-Rausches sein. Es mag paradox klingen, doch im Silicon Valley – Heimat von Apple, Google und Facebook – hat man die Lösung für einen gesunden Umgang mit dem Smartphone gefunden: Digital Detox! Bei der digitalen Entschlackungskur geht es nicht darum, sich komplett von elektri- schen Geräten wie Smartphone, Tablets oder Computern loszusagen, sondern eine digi- tale Balance zu finden – einen bewussten Umgang mit den positiven und negativen Seiten digitaler Medien und ihrer Inhalte. Gruppendiskussion und Fülle an Informati- onen braucht man nicht.“ Doch was für den 34-Jährigen ein Kinderspiel war, fällt nicht jedem so leicht. Die Umfrage des Digitalver- bands ergab auch, dass jeder vierte Deut- sche bereits einen Digital Detox ausprobiert, aber nicht durchgehalten habe. Dabei reicht eine Umstellung der Smartphone-Routine wie den Morgen handyfrei zu starten, Be- nachrichtigungen zu deaktivieren, das Han- dy von zeitfressenden Apps zu entmüllen und Smartphone-freie Phasen zu schaffen schon aus, um die Offline-Challenge erfolg- reich zu meistern. Schnell können sich auch körperliche Verbesserungen einstellen wie eine erhöh- te Konzentrationsfähigkeit oder verbesser- te Schlafqualität. Außerdem wirkt sich die digitale Enthaltsamkeit auch vorteilhaft auf das Sozialleben aus. „Ich treffe mich häufiger mit Leuten, sogar mit Menschen, von denen ich lange nichts mehr gehört habe. Da ich aufgrund der Social-Media-Abstinenz nicht mehr weiß, was bei ihnen im Leben abgeht, möchte ich direkt mit ihnen kommunizie- ren. Das heißt, ich treffe mich bewusster und habe mehr zu erzählen“, erklärt Ruben und ist sich ganz sicher, dass er nie mehr zu In- stagram und Co. zurückkehren wird. Put down your phone and pick up your life – Ruben-Style. Denise Rosenthal 2020 SUBWAY.DE „MAN IST NICHT AUS DER WELT, NUR WEIL MAN KEIN SOCIAL MEDIA MEHR BENUTZT“

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